Sigmar Gabriel hat eine Ministererlaubnis zur Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann gegeben. Und das obwohl das Bundeskartellamt und die Monopolkommision sich gegen diese Fusion und die damit einher gehende marktbeherrschende Stellung von Edeka + Tengelmann stämmte. Ich hatte ja schon einmal über die fatale Situation geschrieben, wenn es darum geht wie sich Supermarktketten und Discounter zu Einkaufsverbünde zusammen schließen.

Der Markt hat nur wenige Spieler

Es gibt im Wettbewerb um den Kunden nur sehr wenige Spieler. Da hätten wir Edeka, Rewe, Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), Metro und Aldi. Wobei man die Metro eher heraus streichen kann, da diese nicht wirklich für den Lebensmittelendkunden relevant ist. Ich werde jetzt die einzelnen Marken und Vertriebslinien einmal direkt aufzeigen, da jeder kurz sehen sollte wie riesig diese Unternehmen heute schon sind. Das Problem dabei ist die extrem hohe Konzentration der Beschaffung. Denn jeh größer ein Beschaffungsverbund ist, umso mehr Druck kann er auf die Hersteller ausüben und das endet immer für den Kunden schlecht. Und je weniger Unternehmen sich den Markt teilen umso schwerer wird es für den Kunden auf alternative Angebote auszuweichen. Das bedeutet am Ende, das wir Kunden einfach nur noch verarscht werden. Alleine in meiner Umgebung sind 2/3 der Märkte Edeka, Rewe und Aldi. Für mich ist das extrem schlecht, da ich einfach nicht mehr die Produkte erhalte, die ich gerne hätte. So würde der Zusammenschluß von Edeka und Tengelmann die martbeherrschende Stellung von aktuell 25% auf fast 30% steigern. Also fast 1/3 aller Märkte wären unter der Herrschaft eines Unternehmens. Was andere Unternehmen weiter unter extremen Druck setzt und womöglich sogar zu deren Aufgabe zwingt. Auch wenn Tengelmann derzeit das Wasser bis zum Hals steht, so wäre ein Aus dieses Unternehmens kein Grund zur Panik. Immerhin wird dann Platz für alle Konkurrenten. Doch durch Gabriels mangelnde Weitsicht ergibt sich aktuell nur eine Martkkonzentration. Vielleicht hat aber auch Edeka richtig Einfluss in Berlin. Denn Edeka arbeitet ja mit Tengelmann schon länger zusammen und hat auch mit diesem Unternehmen Vereinbarungen getroffen. So kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass Edeka hier sicher gehen möchte, bereits investiertes Geld zu sichern. Meinen Glauben an die Politik ist damit schon wieder arg in Bedrängnis geraten. Und der SPD wünsche ich, in diesem Zusammenhang, noch ein fröhliches FDP Wahlergebnis.

Edeka-Gruppe

Edeka ist der Platzhirsch am deutschen Markt. Er hat den größen Umsatz pro Jahr (2014 47,2 Mrd. Euro). Dieser Umsatz wird nur in Deutschland realisiert. Zum Vergleich: Siemens operiert weltweit und setzt weltweit 2015 75,6 Mrd. Euro um. In Deutschland schafft das Unternehmen dann gerade einmal 18,5 Mrd. Euro (Seite 118). Zwar hinkt hier der Vergleich, aber eine Siemens nimmt man sicherlich im täglichen Leben als das größere Unternehmen wahr. Was in Deutschland dann doch nicht zutrifft.

Edeka ist einfach gestrickt und kann grob in Geschäfte Edeka und Netto aufgeteilt werden. Aber, so einfach ist es dann doch nicht. Bei Edeka gibt es noch Regie-Betriebe. Das sind Lebensmitteleinzelhändler, die unter eigener Regie im Lebensmittelverbund der Edeka Gruppe sitzen. Von außen kann man diese Einzelhändler nicht erkennen, erst wenn man sich ihr Produktportfolio anschaut, dann werden da die typischen Edeka Marken vertreten sein.

Edeka: Edeka, Netto, Regie-Betriebe, Backwaren, Marktkauf, Spar-Express

Rewe-Gruppe

Bei Rewe sieht die Situation schon ganz anders aus. Die Rewe Gruppe realisierte in 2014 einen Umsatz von 51,1 Mrd. Euro. In Deutschland schaffte die Gruppe 37,2 Mrd. Euro Umsatz. Sie ist die Gruppe, die jetzt gegen die Ministerentscheidung Klage eingereicht hat.

Zu Rewe gehören verschiedene Vertriebslinien, die alle möglichen Bereiche abdecken. Ich zähle hier mal fast jede auf, denn die meisten tragen immer zusätzlich die gleichen Hauptnamen. Ich habe Vollsortiment und Discounter zusammen gewürfelt, weil das von außen eh kein Kunde direkt unterscheidet. Er geht da einkaufen, wo er für sich das beste Produkt zu erhalten glaubt.

Entnommen hier.

Vollsortiment National: Rewe, toom, Nahkauf, Temma, Oh Angie, Kaufpark, Akzenta, Penny

Vollsortiment International: Billa, Merkur, ADEG, BIPA

Tourismus: DER (DER Touristik, DER.COM, DER Part ...), ITS, Jahn Reisen, Travelix, DerTour, Meier's Weltreisen, ADAC Reisen, FCm Travel Solutions, CamperBoerse, Dr.Holiday, Clever Tours, Exim Holding, PrimaSol, lti Hotels, Club Calimera

Sonstiges: Glocken Bäckerei, Wilhelm-Brandenburg, Rewe-Digital, ZooRoyal.de, Perfetto Feinkost bei Karstadt, Fürsie, iki, Rewe Systems, EHA, commerce tools, B1 Discount Baumarkt

Schwarz-Gruppe

Die Schwarz-Gruppe ist seit neuestem der größte Handelskonzern in Europa. Er setzte im Jahr 2014 europaweit 74 Mrd. Euro um. Die Gesellschaftsform ist eine GmbH. Ihr gehören die Unternehmen Lidl und Kaufland. Die Gruppe ist extrem verschwiegen und ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) sind sehr schwer zu bekommen.

Aldi

Was muss man schon dazu sagen. Aldi ist eben Aldi. Aldi hat sich strikt aufgeteilt in Aldi-Süd und Aldi-Nord. So haben sie auch ihr Auslandsgeschäft strikt aufgeteilt, damit sich die beiden Brüder nicht in die Quere kommen. Einzige Ausnahme ist der US-Markt. Da gibt es Traders Joe's die zu Aldi-Nord gehört und eben Aldi Food Market, welches zu Aldi-Süd gehört.

Tengelmann

Nun kommen wir zu dem eher kleinen Spieler am Markt. 2014 setzte das Unternehmen ca. 8,1 Mrd. Euro um. Es ist schon jetzt eng mit Edeka verwoben. So hält Tengelmann Anteile an Netto, welches zu Edeka gehört. Damit dürfte auch Tengelmann im Einkaufsverbund der Edeka-Gruppe sitzen. Zusätzlich gehören folgende Unternehmen zur Tengelmann Gruppe.

Kaiser's Tengelmann, Kik, OBI, Tedi

Über die Emil Capital Partners ist Tengelmann auch in Uber investiert. Ansonsten ist das Unternehmen schon jetzt so aufgeteilt, dass eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen eine beschleunigte Integration ermöglicht, indem man die unnötigen Geschäftsbereiche entweder einfach schließt oder sie dem freien Markt überlässt. Diese Bereiche wurden also schon in eigene GmbH's ausgelagert.

Zusammenfassung

Ingesamt muss man festhalten, dass Sigmar Gabriel hier den Schaden nicht zu begreifen scheint. Die Folgen sind viel weitreichender als der eventuelle Verlust von 16.000 Arbeitsplätzen durch eine Tengelmann Pleite. Denn eine Marktkonzentration eines Unternehmens trifft am Ende andere Hersteller und am Ende auch die Kunden. Und das darf man nicht vergessen. Der Schaden für die Partei SPD ist mit dieser Entscheidung auch sehr viel größer. Und so darf der Siggi weiter träumen, am Ende wird er als Machtmensch Gabriel den kürzeren ziehen.

 

so weit...