Wer hat nicht schon von den absurden Strafzahlungen gehört, die in letzter Zeit über den Ether kommen. Apple soll 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen. VW 14,5 Milliarden Euro, alleine in den USA, für den Dieselskandal. Die Deutsche Bank soll, wegen Verfehlungen in der Subprime-Krise, 12 Milliarden Dollar zahlen. Solarworld soll 700 Millionen Euro Schadenersatz in die USA zahlen, weil es angeblich gegen Verträge verstoßen hat, der Rechtstreit ist heute (September 2016) noch offen.

Dies ist nur ein Auszug davon, was in letzter Zeit passiert ist. Während die einen von einem Wirtschaftskrieg sprechen, reden andere eine Sprache, die durchaus einmal betrachtet werden sollte.

Die Stimmen des Wirtschaftskrieges

Diese Stimmen sind, so wie man es aufnimmt, meistens plausibel. So gelten die Beispiele: Deutsche Bank und Volkswagen als die Hauptargumente dieser Herren. Und auch die Verhängung der Nachzahlungen im Fall Apple, scheint diesen Menschen durchaus Recht zu geben. Es geht darum Unternehmen zu hindern zu groß und damit zu mächtig werden und den heimischen Unternehmen zu schaden. Leider krankt es im Fall Apple an den Fakten. Denn selbst wenn Europa es will, so fällt mir kein Unternehmen ein, welches aus Europa stammt und was als direkter Konkurrent gegen Apple bestehen könnte. Da gibt es noch Nokia, aber das gehört in die Geschichte: "Verschlafene Innovationen".

Bei VW und der Deutschen Bank sind diese Bedenken allerdings gegeben. Wieso sollte die Deutsche Bank wegen der gleichen Gebahren, die Goldman Sachs ständig an den Tag legt, so gravierend bestraft werden? Das Gleiche trifft auf VW zu. Wieso sollte VW so hart bestraft werden? Wegen der läppischen 400.000 Dieselfahrzeugen in den USA, die dort zu viel Stickstoffdioxid (NOx) ausstoßen? Hallo, in welcher Welt leben die Politiker? Und wieso wird die Benzinerlobby in den USA so umarmt und durch den Dieselskandal gefördert? Während diese Fahrzeuge erheblich mehr CO2 in die Luft blasen dürfen, als die europäischen Pendants.

All diese Fragen und Behauptungen sind Öl auf dem Getriebe, der Anhänger im Glauben an einen Wirtschaftskrieg.

Die anderen Stimmen

Im Allgemeinen möchte ich hier jetzt VW als Beispiel nehmen. Denn auch die US-Banken haben richtig große Strafzahlungen stemmen müssen, gegen die eine Deutsche Bank noch relativ gnädig davon gekommen ist. Bei Volkswagen wirkt der gleiche Satz wie er bei einer Innovation, und sei es nur der Preis, immer gilt. Wer zuerst kommt, wird am meisten verkaufen. Oder wer zuerst erwischt wird, wird am meisten zahlen. Alle anderen sind Nachahmer, auch werden sie nicht mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Selbst, wenn sie ein ähnliches Projekt in ihrer Pipeline haben. Denn diese Techniken benötigen meistens 1 - 2 Jahre. Und das Unternehmen welches fühestens 6 Monate später kommt, gilt schon als Nachahmer. Ähnlich liegt auch Volkswagen. Der Markt USA ist einfach zu verlockend, als das man ihn ignorieren kann. Er ist groß und er ist offen für neue Produkte.

Gerade der Umweltschutz hatte es in den letzten Jahren leicht, voran zu schreiten. Genau in diese Kerbe versuchte VW zu schlagen. Dabei sollten die Kosten im Rahmen bleiben und trotz der höheren Auflagen, musste der Diesel ein Erfolg werden. Denn das Unternehmen, welches als erstes eine Innovation in einen bereiten Markt bringt, wird am meisten verkaufen. Und hier hat VW leider den schwarzen Peter gezogen.

Der Druck

Erkennt ein Unternehmen eine Chance, so muss diese direkt umgesetzt werden. Dabei investiert dieses auch Summen, die bei normalen Projekten unmöglich wären. Risiken werden verteilt und wenn nötig nach oben gefiltert und den tatsächlich Verantwortlichen vorenthalten. Dies ist dann nicht vorrangig die Schuld der Oberen, vielleicht werden diese aber auch einfach weggefiltert oder ignoriert. Tatsächlich, ist es aber eine Verkettung von Ignoranz und Macht. Zum einen möchten sich die unteren Kader etablieren und sich präsentieren. Wer kennt nicht den einen oder anderen, der gerne Powerpoint verwendet um seine Position und sein Handeln in den Vordergrund zu stellen. Wenn man aber genauer Hinschaut, ist da einfach nur ein *Blub*. Zum anderen möchten sich die Unteren nach oben spielen. Und selbst wenn es nicht schlüssig ist, so wird es "vielleicht" ignoriert, denn es kann einem zwar zeitlich begrenzten Ruhm bringen, aber die Lohnzahlung an sich selbst, lässt diesen Zweifel erträglich erscheinen.

Wenn ich nun, als *Blub*, zu einem Meeting gehe und dort meine Präsentation, inklusive der Risiken und der riesigen Möglichkeiten auf einem Tablar einreiche. Die Chancen zu sehr hervor hebe und die tatsächlichen technischen Probleme verschweige? Was passiert am Ende? Die Vorgesetzen werden klatschen, der Name wird etabliert. Die Chancen auf einen Aufstieg werden steigen, der Verdienst ebenfalls und die Einsicht: "Nach mir die Sinnflut" auch.

Wer einmal diese Lügen durchschaut hat, der wird es immer wieder erkennen. Um dieses zu tarnen, werden gerne Fremdwörter verwendet, die keiner kennt, bei denen sich aber Vorgesetzte meistens darin extrem gelassen geben, nur um diese später nachzulesen. Dies ist eben der Versuch, sich gegenüber der Vorgesetzten hervor zu heben und von anderen Dingen abzulenken.

Das Desaster

Im Fall von Apple haben sich die Vorgesetzten einfach nur gesagt: "Lassen wir die Juristen mal machen...". Im Fall von VW gilt eher der letzte Abschnitt, dieses Artikels, als relevant. Die Vorstände haben sich nicht ausreichend informiert. Haben sich aber extrem hohe Gehälter gezahlt. Das Gleiche gilt für das Unternehmen "Deutsche Bank", auch hier hat sich der Vorstand Millionen Beträge zahlen lassen. Diese Vorgesetzten der obersten Hierachie werden irgendwie nicht belangt. Immer wird das Unternehmen zu Lasten der Aktionäre und Arbeitnehmer zur Rechenschaft gezogen. Auch hier scheint die Devise: "Von unten nach oben verteilen."

Das Apple quasi gar keine Steuern mehr zahlt, kann doch nicht im Interesse des Wohlstands sein. Nur weil hier ein Land, ein Land wie viele andere auch: "Nö, also bei uns braucht ihr keine Steuern zahlen." meint, es könne über das Wohl von mehreren Milliarden Menschen entscheiden. Dies kann doch nicht der wahre Sinn sein. Auch nicht, das die Apple-Vorstände und der Aufsichtsrat, dies so abhaken.

Das Gleiche gilt für VW. Wieso hat der Vorstand darüber keine Kenntnis? Wieso fragt sich niemand, wie man die Euro-Norm gerade so einhält, aber in den Markt mit den niedrigsten Werten vorstößt? Warum werden solche Risiken so extrem nach oben weggefiltert? Und wieso lassen es alle Beteiligten zu, dass diese Risiken auf alle Angestellten eines Unternehmens umverteilt werden? Wenn gleichzeitig, das komplette Unternehmen auf einem Fuß steht, der direkt brechen könnte.

Wieso werden nicht die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen? Diese zahlen sich die höchsten Löhne aus! Mit der gleichzeitigen Begründung, dass sie die Risiken tragen. Was aber definitiv nicht der Fall ist. Wenn ich als hohe Person einen riesigen Lohn erhalte, dann muss ich auch als Verantwortlicher, mit genau diesem Geld dafür geradestehen, dass ich hier meine Aufsichtspflicht verletzt habe. Ich als Bezieher eines Lohnes, den ein normaler Mitarbeiter niemals erreicht, muss für die Fehlleistung, der eigenen Entscheidung, gerade stehen. Und nicht die Leute, die auf meine Anweisung einen Fehler begangen haben.

 

so weit...