Im Bild sehen wir die direkten Investitionen der deutschen Unternehmen gemessen am Jahresgewinn. Die Kernaussage der Grafik soll sein, das die Unternehmen immer weniger in Deutschland investieren. Dabei überschlägt sich der Gewerkschaftsbund allerdings gewaltig. Er vergisst, dass selbst bei 10% der investierten Summe dieses nicht mit 40% aus dem Jahre 1991 gleich zu setzen ist. Denn die Summe ist zwar niedriger, gleichzeitig sind aber die Gewinne auch sehr viel höher. Das Unternehmen muss deshalb auch gar nicht mehr 40% reinvestieren, um die gleiche Summe zu erreichen. Trotzdem zeigt die Grafik auch ein sehr interessantes Detail. Streichen wir also den Graphen zur Prozentangabe, dann bleiben Unternehmensgewinne und Reinvestitionen übrig. Musste man also 1991 noch ca. 40% der Unternehmensgewinne erneut in sein Unternehmen stecken, um einen Gewinn von 200 Mrd. zu realisieren. So musste man später immer weniger dafür tun und trotzdem sprangen die Gewinne in die Höhe. Wie darf man das verstehen?

Damit ein Unternehmen Gewinne realisieren kann, ist ein Wertschöpfungsprozess nötig. Das darf nicht falsch verstanden werden. Jeder Handgriff, der an einem Produkt getätigt wird, erhöht den Mehrwert. Je geringer die dabei eingesetzte Investition ist, also Löhne, Maschinen, Material, Energie und Steuern, umso mehr Wertschöpfung wird dabei generiert. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass der Produktpreis am Ende gleich bleibt oder durch die Verbesserung bestehender, oder durch die Entwicklung neuer Produkte auch steigt. So sieht man in der Grafik deutlich die sinkenden Gewinne von 1991 bis 1993 aber auch die sinkenden Investitionen. Ab 1994 steigen die Gewinne plötzlich wieder an. Wer sich an diese Zeit erinnert, wird jetzt erkennen, das da etwas nicht stimmen kann. In Deutschland waren diese Jahre, harte Jahre. Die Arbeitslosenquote stieg unentwegt an. Dazu soll auch die nächste Grafik dienen.

Entwicklung der Arbeitslosenzahlen von 1960 bis 2005

Was gleichzeitig aber auch einsetzte war ein harter Verdrängungswettbewerb unter den Arbeitnehmern. Arbeitnehmer begannen immer mehr zu arbeiten, für immer weniger Geld. Wer das nicht tat, war womöglich schnell seinen Job los.

Doch daraus kann man noch nicht wirklich den Einfluss der nun ebenfalls startenden Globalisierung ableiten. Nein, die Globalisierung ist nicht deswegen entstanden. Für sie gab es mehrere günstige und auch ungünstige Bedingungen. Man darf die Geschichte dahinter nicht vergessen. Vor dem Fall des eisernen Vorhangs gab es quasi 2 Parteien in der Welt. Einmal die Verbündeten des Westens und der Nato und 2. die Verbündeten des Warschauer Pakts. Die USA gegen die Sowjetunion. Diese, als kalter Krieg bezeichnete, Feindschaft spaltete nicht nur diese beiden Nationen, generell spaltete es die gesamte Welt. Und das nicht nur militärisch, sondern auch zum größten Teil wirtschaftlich. Die Angst im Westen war groß, vor dem bösen Kommunisten. Und umgekehrt war die Angst im Osten groß, vor dem bösen Kapitalisten. Trotzdem schien Anfang der 90iger Jahre der Westen die Oberhand zu behalten. Der Osten ging mehr und mehr pleite, während der Westen gleichzeitig in goldenen Palästen hofierte. Das diese Annahme falsch ist, kann man der Grafik zu den Arbeitslosenzahlen sehr leicht entnehmen. Anfang der 80iger Jahre stieg auch im goldenen Westen, wie er gerne in der DDR bezeichnet wurde, die Zahl der Arbeitslosen sprunghaft an. Das sie Anfang der 90iger wieder abgenommen hat, kann man der damaligen DDR verdanken, die insgesamt eine hohe Beschäftigungsrate hatte. Über Sinn und Unsinn kann man sich natürlich streiten, wird aber später umso wichtiger.

Ab dem Jahre 1992 stieg die Zahl der Arbeitslosen wieder enorm an. Was hat sich verändert? Zum einen hat die, von der Deutschen Bundesregierung, eingesetzte Treuhand ihren Betrieb aufgenommen. Zusätzlich ist die Währungsreform in der DDR, aus dem Jahre 1991, in der Realität angekommen. Diese Währungsreform strafte die Bürger der DDR extrem ab. Womöglich haben es bis heute die wenigsten verstanden. Aber grundlegend darf man folgendes sagen. Ein Staat, der über Nacht, eine Kostensteigerung der Produktion von mehr als 400% verkraften soll, muss erst noch geboren werden. Was ist passiert? Die DDR war damals ein Produzent für viele westdeutsche Unternehmen, wie Quelle, Otto, Karstadt oder Neckermann. Sie produzierten günstig Waren, wie Kühlschränke, Kinderwagen, Textilien, Tapeten usw. Nehmen wir an, die Produktion eines Kühlschrank hat in der DDR ca. 360 DDR-Mark gekostet. Dieser wurde für 140 D-Mark an Quelle verkauft. 360 DDR-Mark waren im Westen 82 D-Mark. Der Kühlschrank wurde also mit 58 D-Mark oder 254 DDR-Mark Gewinn verkauft. Nach der Währungsreform kostet plötzlich der Kühlschrank nicht mehr 360 DDR-Mark sondern 360 D-Mark. Denn die Kosten sind 1:1 übernommen wurden. Das Unternehmen produzierte nun nicht mehr mit Gewinn, sondern mit 278 D-Mark Verlust. Dieser Sprung konnte nicht verkraftet werden und stürzte die gesamte DDR-Industrie in den Ruin.

Den Bürgern wurde dies als marode DDR-Industrie verkauft. Tatsächlich wurde ein ganzes Land deindustrialisiert. Ein neues Heer an Arbeitslosen drängelte sich an den Schaltern der Arbeitslosenämter.

Wenn aber gleichzeitig weiter günstige Waren an den Konsumenten gebracht werden sollen, müssen neue Produktionsstandorte her. Die Produktion im eigenen Wirtschaftsraum ist zu teuer. Die Produktion in nahen Ländern östlich der Grenze zu unsicher. Denn die Politik der Länder war noch nicht sicher und eine Investition z.B. in Rußland einfach zu risikobehaftet. Doch ein Land schien sich diesem unsicheren Wirren zu entziehen. Richtig, die Rede ist von China. Die Regierung ist gefestigt und kommunistisch, die Wirtschaft aber war mehr und mehr kapitalistisch geöffnet wurden. Durch Sonderwirtschaftszonen erlaubte die chinesische Regierung dem Ausland sichere Investitionen.

Entwicklung der chinesischen Wirtschaft von 1995 bis 2010

In Deutschland war diese Zeit geprägt durch politische Entscheidungen, die wir heute am Arbeitsmarkt deutlich ablesen können. Während die deutschen Unternehmen den Arbeitnehmern vorjammerten, wie schlecht es doch allen geht und die Politik gar von Sozialschmarotzern sprach, schwammen die Unternehmen in mehr und mehr Geld (siehe 1. Grafik im Beitrag). Arbeitsmarkreformen wurden angekündigt und durchgezogen. Der Staat schenkte den Unternehmen mehr und mehr steuerliche Vorteile, aber die Investitionen im Inland schwanden mehr und mehr. Zu leicht konnten diese Vorteile wettgemacht und die Wertschöpfung ins extreme gesteigert werden, wenn man beide Vorteile kombinierte. Die steuerlichen Vergünstigungen im Inland und die so viel billigeren Herstellungskosten in China, liesen Unternehmen zu Egozentrikern heran wachsen. Damit China auch der deutschen Industrie schön die Tore öffnet, hat der damalige Bundeskanzler Schröder auch Geschenke bereit gehalten. So ist der Transrapid, inklusive der technischen Bauanleitung, 1:1 nach China verschenkt wurden. Durch diesen einseitigen Technologietransfer, kann sich heute noch Wolfsburg, für seine hohen Absatzzahlen in China, bei der SPD bedanken. Doch viel wichtigere Kennzahlen, kann man aus der nächsten Grafik ablesen.

Investitionen nach China und aus China

Seit 1995 haben sich die direkten Investitionen in China um fast das 6 fache vergrößert. Gleichzeitig sind aber auch die Investitionen aus China ins Ausland um das 16 fache gestiegen. Dramatisch darf man dabei die letzten 5 Jahre sehen, also von 2005 auf 2010. So haben sich die Investitionen nach China mehr als verdoppelt. Und die Investitionen aus China heraus haben sich versechsfacht. Diese Steigerung ist zum einen der Wirtschaftskrise zu verdanken, zum anderen der Schwäche vieler Unternehmen aufgrund der ebenfalls einsetzenden Effekte, wenn man ganze Produktionsketten ins Ausland verlagert. Einen schönen Satz hat einmal Henry Ford gesagt: "Ein Auto, kauft kein Auto". Und das ist ein Problem der europäischen Wirtschaft. Alleine Europa macht ca. die Hälfte der Direktinvestitionen in China aus. Doch statt damit Probleme zu beheben, werden nur neue geschaffen.

Gleichzeitig wurde ein anderes Phänomen geschaffen, nämlich der Einsatz der Gewinne in nicht wertschöpfende aber risikoreiche Unternehmungen.

Das durch China frei gewordene Kapital wurde nicht in den Wirtschaftskreislauf eingebracht. Es wurde in Finanzprodukten platziert, die aus Geld, Geld schöpfen. Das Geld aber einen Wert besitzen muss, wurde völlig vergessen. Solange alle mitspielten war auch alles in Ordnung. Verlässt aber jemand das Casino und nimmt sein Geld mit, so werden schnell andere folgen. Die Auswirkungen haben wir alle noch im Kopf. Die Wirtschaftskrise von 2008, die auch heute noch komplette Länder in ihren Fängen hält. Und auch dies können wir in der ersten Grafik ablesen. Ich habe sie einmal erneut hinzu gefügt. Seit der Wirtschaftskrise wurde wieder mehr in Deutschland investiert. Der Grund ist eigentlich ziemlich einfach. Geld muss fliessen und damit es fliessen kann, wird es dort investiert wo es risikoarm ist. Gerade die Wirtschaftskrise hat ein neues Sicherheitsgefühl geweckt. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2014 und diese Sicherheit können wir an der Börse ablesen. Der DAX ist auf ein extrem hohes Niveau vorgestoßen. Die Bedenken von 2008 und 2009 sind zum größtenteil beiseite gelegt. Der nächste Crash wird kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wann er kommen wird, dass wissen nur die Schwächsten und Reichsten unter den Zockern.

Doch zurück zum wirtschaftlichen Niedergang Europas. Wir waren bei den frei werdenen Gewinnen des frühen Jahrtaussends. Gelder in Europa wurden entweder in Finanzprodukte und somit in die südlichen Länder, aber vor allem in die USA investiert (Immobilienkrise). Diese südlichen Länder profitierten von den neuen Investitionen. Hauptsächlich flossen diese aus Frankreich und Deutschland. Wozu sich auch dagegen streben, immerhin bedeuteten sie Arbeitsplätze und zunehmenden Wohlstand. Sogar die Poltiker äußerten sich positiv dazu. So wurde gerade Irland hoch in den Himmel gelobt, um nur Jahre später am Geldtropf Europas zu landen. So erging es auch Griechenland und anderen Ländern. Mittlerweile wurde vor allem Griechenland zum Pleitestaat durch die Bild getauft. Das Griechenland durchaus mit den Worten "Nazi" antworten darf, ist selbstredend. Zu billig wirken die Argumente der Volkshetzer.

Mittlerweile produziert die ganze Welt in China, Indien und angrenzenden Ländern.

Anteil der chinesischen Stahlindustrie im globalen Maßstab

Diese Grafik ist einmal stellvertretend der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt. Während die Erzeugung von Stahl in den Ländern der Welt gleich geblieben ist, ist die Chinas geradezu explodiert. Natürlich sieht man auf den ersten Blick eine Verringerung der Anteile, dies ist aber dem enormen Wachstum in China geschuldet. Denn der Verbrauch von 2000 auf 2013 hat sich geradezu verdoppelt. Dadurch sinken natürlich die Marktanteile, der zuvor stärker wirkenden Teilnehmer. Dies ist aber auch ein Indikator der aktuell stattfindenden Ereignisse.

In Europa ist die Zahl der Arbeitslosen unter 25 noch nie so hoch gewesen. Der europäische Binnenmarkt bricht mehr und mehr ein. China wird nach und nach seine Absatzmärkte verlieren. Es muss also zur Kompensation, den eigenen Binnenmarkt stärken. Während dieser Prozedure wird es natürlich eine Preissteigerung geben. Die dadurch schon schwache Nachfrage in Europa wird zunehmend sinken. Dies hat auch schon das europäische Parlament begriffen und von einer Reindustrialisierung gesprochen. Es wird nicht ohne gehen. Wenn keine wertschöpfenden Prozesse in Europa stattfinden, werden auch die Kunden weglaufen. Leisten können wir uns unsere Produkte schon lange nicht mehr. Vom Rest Europas ganz zu schweigen. Denken wir alleine an Volkswagen und den Volkswagen "Golf" überhaupt. Wer kann sich schon einen 30.000€ teuren Wagen leisten. Mittlerweile sind das die wenigsten. Einen solchen Neuwagen bekommt man nur noch mit einem Kredit bezahlt und damit ist ein Aufschwung, trotz der positiven Schwingungen aus Berlin über die so gute Beschäftigung, in Deutschland nur ein Lächeln wert.

so weit....