Das diesmal die Europawahl unter einem anderen Stern stand, hat man in Deutschland besonders gespürt. So waren vor allem im öffentlich rechtlichen Fernsehen die Jammerorgien besonders groß. Vor einem Rechtsruck und vor Rechtsradikalen hat man uns gewarnt. Dabei hat man die europakritischen und die radikalen Stimmen noch nicht einmal versucht zu trennen. Egal ob England, Frankreich oder Deutschland alle kritischen Parteien wurden mehr oder weniger über einen Kamm geschert.

Das Europa endlich einen Wechsel braucht und Europa endlich aufhören muss, jeden Furz zu reglementieren, wurde dabei meist unter den Tisch gekehrt. Alleine die Verhandlungen zum TTIP ist eine Farce und hat mit Demokratie nichts gemein. Immer wieder wurden Stimmen laut, die den Lobbyisten in Brüssel zu viel Macht zusprachen und damit zielgerichtet auf systematische Schwachstellen der Demokratie hinwiesen. Vielen Bürgern wurde schmerzlich bewusst "Europa ist zu groß", es vermag sich nicht mehr zu bewegen. Alleine die Wahlbeteiligung ist Aussage genug. Gerade einmal 43% der Wähler haben sich entschieden ihre Stimme abzugeben. Der Anteil der Politikverdrossenen wird immer größer und anscheinend ist das den Regierenden auch recht so.

Aktuelles:

Nachdem der euopäische Gerichtshof die 3% Hürde kippte, da wurden plötzlich die Stimmen der "etablierten" Parteien lauter. Und natürlich haben die Medien gleich gezogen. Genutzt hat es in Deutschland schon, denn plötzlich stieg sogar die Wahlbeteiligung. Haben 2009 noch 43% ihre Stimme abgegeben, so stieg der Anteil in diesem Jahr auf fast 48% (47,9). Dennoch ist auch dies nicht wirklich repräsentativ. Von den fast 64 Millionen wahlberechtigten Bürgern in Deutschland (incl. Unionsbürger), sind also keine 31 Millionen zur Wahl gegangen. Auch dürfte der traditionelle Sonntag sein übliches beigetragen haben. Die Europawahl lässt sich nämlich auch auf mehrere Tage ausweiten, wie es in vielen Ländern auch praktiziert wird. Im Vereinigten Königreich hat dies zwar nichts bewirkt, aber das darf man nicht überbewerten, denn die "Briten" sind eh das europafeindlichste Land in Europa.

Das am schwächsten vertretene Land ist die Slowakei. Gerade einmal 13% der Wahlberechtigten, sind zur Urne geschritten. Wieso Belgien und Luxemburg hier 90% der Wähler bewegen können, ist ein Phänomen. 

 

//Update 27.05.2014: Belgien und Luxemburg haben eine Wahlpflicht. Was auch die hohen Wählerzahlen zeigen. Aber auch Griechenland und Zypern haben eine Wahlpflicht, die Beteiligung mit 58,2 bzw. 43,97 Prozentpunkten bleibt trotzdem übersichtlich.

Selbst i In Malta sind immerhin 3/4 (74,8%) der Bevölkerung zur Wahl erschienen und das ohne Wahlpflicht. Deutschland bleibt dabei wie immer, schwach vertreten. Anscheinend ist Europa eher unpopulär und unverstanden. Die eigene Ohnmacht (Ich kann eh nichts bewirken) ist allgegenwärtig. Dabei darf man seine eigene Stimme nicht als wertlos betrachten. Jeder Nichtwähler stärkt den Wähler einer anderen Partei. Selbst eine ungültige Stimme hat mehr Aussagekraft, als eine Nichtteilnahme. Nimmt man einmal an es gibt 3 Wähler, die 2 Parteien wählen dürfen. So ergibt sich rein rechnerisch ein Ergebniss von 66% zu 33%. Geht aber einer der Wähler nicht wählen, so ergibt sich ein Ergebniss von 50% zu 50% für beide Parteien oder von 100% für eine Partei. Würde die eine Stimme aber ungültig stimmen, so geht das Ergebnis 33% zu 33% für beide Parteien oder 66% für eine Partei aus. Denn die ungültige Stimme zählt trotzdem. Ausgang für die Berechnung ist die Anzahl der teilnehmenden Wähler und nicht der gültigen Stimmen.

so weit...

Ergebnisse zur Europawahl 2014