Gerade läuft der Stresstest für die Banken in Europa. Aktuell nehmen 128 Institute teil. Das Ergebnis wird Mitte Oktober erwartet und könnte eine Menge an Aufsehen auf sich ziehen. So hat man den ESM vorsorglich schon einmal mit der Möglichkeit bestückt, Banken auch direkt zu rekapitalisieren. Der Präsident der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem gab am 10.06.2014 eine Pressemitteilung bekannt.

"Euro area Member States have today reached a political understanding on the operational framework of the ESM direct recapitalisation instrument, on the basis of the proposal I presented at the May 5 Eurogroup meeting and building on the main features agreed at the June 2013 Eurogroup. ..."

"Die Euro-Mitgliedstaaten haben heute eine politische Verständigung über den Handlungsrahmen des ESM über eine direkte Rekapitalisierung, auf der Grundlage des Vorschlags den ich am 5. Mai beim Treffen der Eurogruppe vorgestellt habe, erreicht. Dieser Vorschlag stammte ursprünglich vom Juni 2013. ..."

Nun darf man gerne darüber spekulieren. Und das werde ich hier in aller Ausführlichkeit versuchen. Der ESM war für eine direkte Geldvergabe an die Banken niemals wirklich vorgesehen. Denn immerhin bürgen wir Bürger für dieses Geld. Nun ist Geschichte eine Auslegungssache aber Fakt ist, unser Bundestag hat am 29. Juni 2012 den ESM ratifiziert. Noch am selben Abend hat unsere Mama der Nation Angela Merkel entweder einen Fehler gemacht oder aber absichtlich eine entscheidende Änderung zugelassen. So übersah sie, absichtlich oder nicht, einen Satz. Wenn dieser Satz vorher bei der Ratifizierung schon vorhanden gewesen wäre, der Bundestag hätte ihn wohl nicht ratifiziert.

" ... sobald unter Einbeziehung der EZB ein wirksamer einheitlicher Aufsichtsmechanismus für Banken des Euro-Währungsgebiets eingerichtet worden ist, hätte der ESM nach einem ordentlichen Beschluss die Möglichkeit, Banken direkt zu rekapitalisieren."

Politik und Finanzen

So wird eben Politik gemacht. Und wer jetzt denkt: "Man, die haben sie nicht mehr alle." Der hat zwar Recht, sollte aber bedenken: Es ist immer einfacher hinterher alles zu kritisieren. Der Schaden ist angerichtet und nun müssen wir damit leben. Doch es gibt auch positives von dieser Seite. Der ESM darf nur maximal 60 Mrd. € für eine solche Rettung einsetzen und der Staat, in dem die Bank ansessig ist, ist mit maximal 20% dabei. Vorher sollen aber alle Eigentümer und Gläubiger zur Kasse gebeten werden. Um die Eigentümer mache ich mir da weniger Sorgen. Denn die meisten Eigentümer bei Banken sind Aktionäre. Und diese werfen einfach ihre Aktien über Board. Klar wird es auch da Verlierer geben, denn wer zuletzt kommt, den beißen die Hunde. Richtig böse dürfte es die Kleinaktionäre treffen, denn diese beobachten meistens ihre Risikoanlagen nicht jeden Tag. Und jede Anlageform ist eine Risikoanlage, deswegen erhält man darauf ja auch Zinsen. Diese Zinsen darf man auch gerne als Risikozuschlag betrachten, weil sie nämlich genau das sind. Aber auch hier könnte der Staat dazwischen funken und die Bank einfach verstaatlichen. So wie wir es mit der Hypo-Real-Estate getan haben. Die Eigentümer wurden dabei enteignet und viele Eigentümer mussten zusehen wie der Aktienkurs in den Keller rauschte von knapp 50€ auf 1,30€, dem letztendlichen Kaufpreis den wir pro Aktie gezahlt haben.

Chart der Hypo Real Estate bis zur Verstaatlichung
Quelle: www.ariva.de

Bei den Gläubigern sieht die Sache etwas anders aus. Der Name sagt ja schon aus, ich glaube dass ich die Investition (denn das ist sie) wieder zurück bekomme. Fällt jetzt der Schuldner aus und bin ich zu gutgläubig gewesen, so könnte meine gesamte wirtschaftliche Existenz in Gefahr geraten. Man nennt dies dann Kettenreaktion. Und da der Interbankenmarkt noch immer nicht transparent ist, so liegen hier Risiken verborgen, die niemand so richtig fassen kann. Nimmt man jetzt die Bilanzsumme und Eigenkapital so ergibt sich eine Eigenkapitalquote von z.B. 4% (leverage ratio, Passiva ca. 1.600.000 Mio vs 64.000 Mio Eigenkapital in €). Im Internet wird man immer wieder andere Zahlen finden, doch hier muss man aufpassen. Es exitistiert die Leverage Ratio und die Equity Ratio. Diese darf man nicht vermischen. Die wichtigere Kennzahl bietet wohl die Leverage Ratio, da hier alle Risiken inbegriffen sind und die komplette Bilinanzsumme hinzugenommen wird. Das kann auch noch jeder Anfänger nachvollziehen. Während bei der Equity Ratio Positionen aus der Bilanz genommen werden, die Fremdkapital darstellen. Die Forderungen der Equity Ratio liegen zwischen 5,5% und 10% je nachdem wie Systemrelevant eine Bank ist. Die Leverage Ratio liegt bei gerade einmal 3%. Das ist relativ schwach. Und hier haben wir ein Fass ohne Boden. Denn man muss das als komplett überschuldet sehen. 3% des Kapitals welches durch die Bank bewegt wird, ist eigenes, der Rest sind Schulden. Und hier sind diese 3%, die Gelder der Anleger und Geldgeber (Investoren). Wenn also die Schuldner (Geldgeber und Anleger) kommen und ihr Geld haben wollen, kann eine solche Bank nur 3% - 4% auszahlen, das andere Kapital 96% - 97% ist nicht vorhanden! Denn eine Bank hat kein Kapital per se, es verwaltet nur die Gelder der Anderen. Das muss man als Kunde bei einer Bank immer im Hinterkopf behalten. Das klingt kompliziert, ist aber relativ einfach zu erklären. Wenn 10 Kunden 100 Euro bei der Bank abgeben, dann sind das 1.000€. Die liegen bei der Bank rum. Schön, so soll es ja auch sein. Die Deutsche Bank zum Beispiel hat aber von diesen 1000€, 960€ verborgt oder in andere Geschäfte investiert. Damit erhofft sie, die mageren 1,XX Prozent Zinsen + Vorstand + Personal + Anwälte + Alles mögliche zu erarbeiten und trotzdem noch Gewinn zu machen. Diese zusätzlichen Gewinne werden z.B. auch dafür benötigt um ihre Aktionäre zu bezahlen (Dividente). Die Aktionäre tragen nichts zum aktuellen Ergebnis bei, außer das sie als Gläubiger in den Büchern stehen. Hallo, liebe Banken geht es noch? Und damit eine Bank das auch kann, so nimmt sie selber Schulden auf, mit dem Versprechen es später mit Zinsen zurück zu zahlen.

Ein Fass ohne Boden

So ist ein Geflecht entstanden, indem die Banken sich gegenseitig viel Geld liehen. Dies nennt man Interbankenmarkt. Die Banken handeln im Interbankenmarkt untereinander. Das war zwar nie wirklich vorgesehen, wird aber einfach so gemacht. Normalerweise sollen die Banken immer über die staatlichen Zentralbanken handeln, weil hier nämlich eine gewisse Kontrolle vorhanden ist. So bestellt ein Franzose bei einer Deutschen Firma ein Produkt. Die Deutsche Firma produziert und stellt eine Forderung an den Kunden. Die Bank des Produzenten stellt nun bei der Deutschen Zentralbank eine Forderung aus. Die Deutsche Zentralbank eine Forderung bei der französischen Zentralbank und diese bei der Bank des Schuldners. Das die Bank des Produzenten direkt eine Forderung bei der französischen Bank des Kunden stellt, ist nicht vorgesehen. Die Banken gingen aber weiter und liehen sich untereinander Geld. Die Aufsichtsbehörden tollerierten dies, mit dem Wissen dass eine Kontrolle nicht wirklich möglich ist. Und so wuchs ein Dschungel, der nicht wirklich gut dokumentiert ist. Denn um diesen wirklich auswerten zu können, müsste man alle (Stand 2013, Eurozone) 7000 Banken prüfen. Aktuell werden aber nur 128 im Stresstest einbezogen. Das muss doch endlich einmal nachdenklich machen? Wobei dies auch nicht die Transparenz herstellt die nötig wäre. Zumal hier auch leicht Abhängigkeiten entstehen, die ganze Regionen betreffen können. Und hier gilt: Wo es keine Transparenz gibt, da ist der beste Stresstest nur ein Mittel seine wirklichen Geschäfte noch mehr zu verschleiern. Stichwort Steuerparadiese und Briefkastenfirmen.

Steuerparadiese und Briefkastenfirmen

Wir wissen über gewisse Leaks, dass Unternehmen dazu neigen ihre Steuern, über Firmen in Steuerparadiesen, zu verringern. Das Ganze ist auch bekannt als Steueroptimierung. Lässt man einmal außen vor, dass diese Firmen intensiv dem Staat schaden, da dieser immer weniger seine Aufgabe wahrnehmen kann. So ergibt sich ein weiterer Baustein im Interbankenmarkt. Denn auch Banken unterhalten hier Firmen und Firmen von Firmen, die eine Beteiligung an anderen Unternehmen verschleiern und so auch Risiken vertuschen bzw. unsichtbar für eine Prüfung machen. Erst wenn der Ernstfall eintritt, dann geht der Bank die Puste aus. Und so muss man damit rechnen, dass wieder Banken sterben und andere mitgerissen werden und am Ende nur die Spieler am Tisch bleiben, die dieses Schneeballsystem initiert haben. Und diese Gewinner sollte man nicht auch noch loben, diese muss man bestrafen. Denn sie bringen ganze Volkswirtschaften ins Wanken. Sie lösen Proteste aus und destabilisieren Völker. Sie sind Parasiten am Nabel der Menschheit. Es gibt die Weisheit: "Man gewinnt im Team und man verliert im Team." Das Geld uns länderübergreifend zu einem Team macht, ist wohl eindeutig genug. Wieso dürfen also Banken, mit rein privatem Interesse, ganze Welten zerstören? Gehen wir im Geiste einen Schritt weiter. Wenn sich 3 Banken Geld leihen kann schnell etwas schief gehen. So kann eine große Bank einer anderen Bank Geld leihen, die es einer anderen Bank leiht. Wir können das Geld durch so viele Banken verleihen, dass wir eine Ringabhängigkeit erhalten. Die Banken leihen sich ihr eigenes Geld, mit dem Versprechen es später incl. Zinsen zurück zu zahlen. Die Frage ist wovon? Und das ist eine gute Frage. Zusätzlich kommen noch Firmen ins Spiel, die als Anlagegesellschaften ihren Dienst vollrichten. Diese haben oft große Aktionäre, die meist wieder Banken sind. Diese haben Anteile an Unternehmen und die Unternehmen an Banken und an Anlagegesellschaften. Und so weiter... Diese münden dann irgendwann in einem Steuerparadies usw. Hier finden wir dann die sogenannten Trusts.

Wie funktioniert ein Steuerparadies genau? Egal ob Unternehmen oder Bank. :D Es funktioniert immer gleich. Wenn man ein Unternehmen im Ausland gründet so muss man sich klar werden, dass man dort Steuern zahlen muss. Nun gibt es Länder, die eher weniger Steuern verlangen. Nun muss man überlegen: "Wie verringere ich den zu versteuernden Gewinn? Den Gewinn kann ich nur verringern, indem ich zusätzliche Kosten verursache." Nun gut, dann verursachen wir eben Kosten ohne wirklich Kosten zu verursachen. So können wir den zu versteuernden Gewinn verringern. So kann ich zum Beispiel Bereiche des Supports in meinem Unternehmen auslagern. Dieses neue Unternehmen kann ich rechtlich an einem steuerlich günstigeren Standort aufbauen. So kann ich mir selber Rechnungen schreiben und generiere darüber hinaus einen zusätzlichen Gewinn. Dieser steht nicht direkt in meinen Büchern, aber die zusätzliche Firma erhält erhöhte Einnahmen. Nun kann man dies auch noch weiter treiben, weil es eben geht. Ich kann durch Verkäufe dieser Firmen an Firmen, die ich im Grunde über Beteiligungen besitze, eine Art Netz aufbauen, welches vortäuscht dass diese Unternehmen eigenständig sind.

Das Casino der Welt

Nehmen wir die Firma Blackrock, eines der größten Unternehmen der Welt, wenn es um die Anlage von Geld geht. Die Firma Blackrock ist beteiligt an so jedem großem Unternehmen, welche in den Indizes unter den Top30 rangieren. Aber auch Blackrock hat Investoren. Zum einem sind das die Anleger, zum anderen die direkten Aktionäre. So besitzt die The PNC Financial Services Group, Inc. and affiliates einen Anteil an BR (BlackRock) von 21%. Dann kommen die Norges Bank (The Central Bank of Norway) mit 7,1% und die Wellington Management Company, LLP mit 5,6%. So scheint die Wellington Management Company wenig Anteil zu haben, aber beteiligt ist diese auch bei der PNC Financial Services Group mit 8,14%. Umgekehrt ist es aber genauso, die PNC Financial Services Group ist mit 8,14% an der Wellington Management Company beteiligt. So werden wohl beide Unternehmen eher einig bei den Aktionärsversammlungen vorgehen. Die Norges Bank ist auch an Great Portland Estates investiert 8,91%, aber auch BlackRock ist hier mit 8,13% investiert. In die Great Portland Estates sind weiter nur noch Investment-Firmen mit nennenswerten Anteilen vorhanden. Wobei man hier nicht vergessen darf, dass diese womöglich auch unter der Kontrolle von z.B. BlackRock stehen. Einen Link möchte ich gerne dabei weitergeben... 147 Finanzkonzerne regieren die Welt

Die Börsen

Diese sind direkt abhängig von diesen Konzernen. Egal ob dieser nun eine Bank oder eher ein Unternehmen ist. Und derzeit erkennt man eine langanhaltende Seitwärtsbewegung der einzelnen Indizes. Dies ist zwar ein Traum für die sogenannten Trader, da diese gerne verkaufen und kaufen wenn der Trend eher seitwärts ist. Aber insgesamt zeigt dies, dass große und langfristig angelegte Investitionen nicht mehr getätigt werden. Der Markt ist gesättigt und braucht einen Impuls. Einer dieser Impulse ist der Absturz. Ein anderer ist genau das Gegenteil. Doch wahrscheinlicher ist der Absturz, indem ein Investor einfach seine Gewinne mit nach Hause nimmt, während andere mit Verlusten leben müssen oder sogar komplett leer ausgehen. Es ist die Zeit der tollen Anlegertipps: "Investieren Sie ihr Geld in Aktien", "Machen sie aus 10.000 Euro 100.000 Euro". Wobei hier die tollsten Rechnungen präsentiert werden, die bis zum letzten Crash zurück reichen. So werden die Kleinanleger getäuscht und abgezockt. Denn sobald ein globaler Spieler die Bühne verlässt, wird auch der Aktienkurs einbrechen und damit werden die Ersparnisse der Kleinanleger direkt aufgezerrt. Denn die Großen können die Kurse direkt beeinflussen, auch wenn uns oft etwas anderes weis gemacht wird.

so weit...