Ich bitte euch den Artikel langsam durchzulesen. Nach und nach wird euch klar, dass es kein Krieg Gut gegen Böse ist. Der Krieg im Irak und in Syrien ist so komplex, dass ich hier dieses Spiel vorstellen möchte. Es könnte so einfach sein, aber der Krieg ist mit so vielen Bündnissen und Interessen durchtränkt, das man vielleicht schon Kopfschmerzen bekommt. Und egal welche Seite man unterstützt, es gibt immer eine Partei, der man dabei so vor den Kopf stößt, dass man den nächsten Krieg oder Konflikt schon vor der Tür stehen hat.

Aus diesem Grund versuche ich euch langsam in den Konflikt um Öl, Macht und Religion einzuführen.

Der Westen (Europa, USA)

Der Westen hat im nahen Osten nur ein Ziel. Die Herrschaft über das Öl und andere Rohstoffe. Nicht unbedingt direkt, aber er versucht die Parteien so zu beeinflussen, dass diese ihre Rohstoffe möglichst an ihn bevorzugt liefern. Das macht die USA zum Beispiel mit Saudi-Arabien. Das Land steht ja quasi unter dem Schutz der USA. Wäre der Konflikt in der Region einfach, dann würden schon lange Bodentruppen in der Region stehen und den Konflikt unterdrücken. Aber diesmal ist es das nicht und zu viele Spieler sitzen am Tisch, die man entweder dadurch destabilisert oder im besten Fall verprellt. Einer dieser Konfliktpartner ist Saudi-Arabien, welches intern genug Probleme hat und dessen Staat man als solches gefährden würde. Im selben Augenblick würde auch Jemen direkt wegbrechen.

Russland

Russland hat mit der Gründung der BRICS Staaten schon gezeigt, dass es eine eigene Vorstellung von der Wirtschaft der Zukunft hat. Die BRICS Staaten bestehend aus Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika, sieht man in Zukunft als neue Wirtschaftsmächte, die den aktuellen G8 Staaten durchaus den Rang ablaufen können und wahrscheinlich auch werden. Vor allem die USA beäugen argwöhnisch das Treiben von China und Rußland. Rußland hat unter anderem auch wichtige Gespräche um Öl und andere Resourcen mit der Türkei geführt. Rußland hat auch den Iran nicht so abweisend behandelt wie der Westen. Nun unterstützt Rußland das Assad Regime und bekämpft die Rebellen in Syrien. Ich möchte es erst einmal bei dem schönen Wort Rebellen belassen, deren Namen lösen wir in einem eigenen Unterpunkt noch genauer auf.

Das sind die nur wirtschaftlich denkenden Staaten. Nun bringen wir die teils religös denkenden Spieler ans Licht.

Die Religion des Islam

Sie besteht seit ungefähr 1400 Jahren und spaltete sich rasch in 2 Hauptlager auf. Die Sunniten und die Shiiten. Aber das wäre auch zu einfach, denn wie die christliche Kirche selbst sind die beiden Hauptströmungen selbst wieder durch andere Strömungen untersetzt.

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Die konservativste Form (Hanbaliten) der sunnitischen Unterströmungen wird dabei durch das saudische Königshaus vertreten. Also der Islam spaltete sich bei der Frage wer der würdige Nachfolger des Propheten Mohamed sein sollte. Die Richtung der Sunniten bevorzugte die Stammesnachfolge also die Herrschaft der Kalifen, während die Shiiten die Nachfolge eines Verwandten von Mohamed bevorzugten. Der Nachfolger als Kalif wurde Abu Bakr. Der Nachfolger als Verwandter wurde Ali. Der tatsächliche und echte Bruch der beiden Strömungen geschah wenige Jahrzehnte später und zeigt noch heute seine Spuren in der Auslegung und Ausübung der Religion. Die Shiiten spielten darauf hin für mehr als 800 Jahre keine politische Rolle mehr unter dem Islam. Das änderte sich im 16. Jahrhundert, als die Safawiden an die Macht kamen und quasi die Grundlage für den heutigen iranischen Staat bildeten. Sie eroberten größere Teile des persischen Reiches und bekehrten Zwangsweise die Bevölkerung zum shiitischen Islam.

Die beiden Strömungen sind heute ungleich über die islamische Welt verteilt und die Shiiten sind vor allem im Iran und im Süden des Irak ansässig. Aber auch im Norden von Jemen.

Irak

Der Irak wird aktuell von einer shiitischen Regierung gelenkt. Diese Regierung hat dabei den sunnitischen Einfluss an der Macht quasi fast ausgeschlossen. Noch aus der Zeit von Saddam gibt es also verschiedene sunnitische Kader, die nun von der Macht ausgeschlossen ein gewisses frustriertes Dasein haben. Dieser Frust zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte restliche sunnitisch irakische Bevölkerung. Die shiitische Vormachtstellung im Irak wird von vielen rechtskonservativen Kräften in Saudi-Arabien kritisch gesehen. Unter Saddam Hussein waren die Sunniten im Irak an der Macht. Und im Irak-Iran Krieg der 80iger Jahre unterstützten den Irak Saudi-Arabien (beide unter sunnitscher Herrschaft) und den Iran Syrien (beide unter shiitischer Herrschaft). Der Grund für den Krieg waren unter anderem die islamische Revolution der Shiiten im Iran. Saddam Hussein befürchtete ein Übergreifen auf shiitische Gebiete im Irak. Im Bild sind die Sunniten in Grün und die Shiiten in Orange abgebildet. Trotzdem muss man festhalten, dass es dem Iran vordergründig darum ging Saddam Hussein die Vorherrschaft über die Region vorzuenthalten. Und um die Rivalität zwischen Arabern und Persern. Es war also ein eher politischer Krieg als ein religiöser. Trotzdem spaltete er die beiden Glaubensrichtungen weiter. Der Irak war danach trotzdem ein Staat der als Puffer zwischen Saudi-Arabien und Iran stand. Wenn der Irak fällt dann würde das ein Machtvakuum entfachen, welches erst einmal wieder gefüllt werden muss. Und diese Vakuum erzeugten die USA mit ihrer Allianz der Willigen im Jahre 2003. Das Vakuum wurde absichtlich erzeugt, weil Saddam den USA gar keine Wahl gelassen hat. Nur die USA konnte diesen Grund nicht ohne weiteres vor dem Sicherheitsrat präsentieren, denn er hätte keine Billigung erfahren.

Saudi-Arabien

Das saudische Königshaus vollführt aktuell einen Spagat im Hinblick auf den Konflikt im Irak und in Syrien. Denn auf der einen Seite vertreten sie die konservativste Form des sunnitischen Glaubens und haben die Sharia im eigenen Land verankert. Auf der anderen Seite unterstützen sie auch die USA im Kampf gegen den Terror und somit gegen den IS. So sind immer wieder Stimmen laut gewurden, dass die Saudis den IS finanziell unterstützen. Es herrscht also ein gewisser Machtkampf im eigenen Land, den das Königshaus durchaus verlieren kann, wenn es eine Parteinahme gegen den IS zu sehr nach innen vertritt. So drückt das saudische Königshaus ein Augen zu, wenn rechtskonservative Kräfte im Land den IS finanziell unterstützen. Während es auf der anderen Seite der USA eine Basis bietet um Luftangriffe auf den IS zu fliegen.

Der Punkt dabei ist der Glauben der Wahhabiten. So werden die Anhänger einer puristisch-traditionalistischen Richtung des sunnitischen Islams bezeichnet, die der hanbalitischen Rechtsschule folgen. Im Grunde sind für diese Leute die Shiiten keine Muslime. Dabei bezeichnen sich die Anhänger selber nicht so, sondern werden nur von Gegnern als Wahhabiten bezeichnet. Sie selber bezeichnen sich eher als Salafis oder einfach Sunniten.

Saudi-Arabien sieht sich selbst als Hüter der sunnitischen Tradition (Religion) und möchte selbst eine wichtige Vormachtstellung in der Region einnehmen (Politisch). Doch diese Vormachtstellung ist aktuell durch den IS bedroht, der gerne alle Länder unter einem Kalifat vereinen möchte. Das ist für das saudische Königshaus ein Dilemma, denn auf der einen Seite unterstützt es finanziell die hanbalitischen Rechtsschulen im eigenen Land, ist also eine religiöse Unterstützung, während rechtskonservative Kräfte (Ultras) im eigenen Land den IS politisch durch Geld unterstützen. Das ist fast so, als sägt man am eigenen Ast. Und da mit Sicherheit nicht alle eine solche Politik unterstützen, wird es heftigen Widerstand in der eigenen Bevölkerung geben, die durchaus mit dem IS symphatisieren. So kam die Meldung dass das saudische Königshaus ein IS nahes Netzwerk ausgehoben hat. Damit demonstrierte es Stärke im eigenen Land und zeigte dem Rest, dass man noch die Kontrolle hat. Damit es intern nicht zu weiteren Spannungen kommt, hat Saudi-Arabien verschiedene Strafen öffentlich, auch gegen die Kritik aus der westlichen Welt, durchgeführt.

Aber auch ein politisch motiviertes Thema wird hier gerne genannt. So scheinen Saudi-Arabien und Katar eine Öl- und Gaspipeline bis in die Türkei zu planen. Der kürzeste Weg wäre durch Syrien. Demnach unterstützt Saudi-Arabien einen Teil der Rebellen gegen Assad. Der aber wird von Rußland gestützt. Rußland möchte diese Pipeline unbedingt verhindern, da daraus gerade Gas aus Katar nach Europa gelangen würde. Und das wäre ein direkter Konkurent zu den eigenen Pipelines. Dabei wurden aus verschiedenen Quellen angebliche Gespräche zwischen dem Geheimdienstchef der Saudis mit Rußland hervor gehoben. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Hier noch die Links: faz.net, DWN.

Katar

Diese kleine Land setzte ab 2011 seine Karten auf die Muslimbrüder, spendete eine hohe Geldsumme für den Wahlkampf und verlor am Ende das Rennen. In der Religion sind die Scheichs also nicht weit weg von Saudi-Arabien. Es scheint auch die gleichen Probleme wie Saudi-Arabien zu haben. Während Katar vorgeworfen wird den IS zu unterstützen, lehnt Katar das komplett ab. Hier scheint es also intern auch zu einigen Spannungen zu kommen. Und das Katar auch anders kann, dass zeigte das kleine Land immer wieder wenn es um die Freilassung von Geiseln ging. Das aber Katar diese Spielkarte überhaupt zücken kann, liegt wohl an den hervorragend vernetzten Scheichs, was dann doch weitere Fragen aufwirft.

Iran

Dies ist ein weiterer wichtiger Spieler. Der Iran strebt politisch gesehen wie auch Saudi-Arabien nach einer Vormachtstellung im Nahen Osten. Selbst aber war das Land lange Zeit von Sunniten eingegrenzt und sah seine Existenz dadurch mehrfach bedroht. Der Iran ist bekannt dafür mit Hasstiraden gegen Israel zu wettern. Beim streben nach einer wichtigen regionalen Macht darf natürlich nicht die Atombombe fehlen, dessen Existenz dies noch einmal und vor allem für allemal klar gestellt hätte. Mittlerweile sieht das Spiel ein wenig anders aus. So unterstützt der Iran die Huthi-Rebellen. Mittlerweile sind Saudi-Arabien und Katar ebenfalls in den Kampf eingetreten und drängen die Huthi Rebellen zurück. Aber der Iran ist auch im Irak tätig und unterstützt den dortigen Präsidenten Maliki im Kampf gegen den IS. Ebenfalls wird der Syrische Präsident Assad unterstützt. Den Iran hat man aus seiner politischen und wirtschaftlichen Isolation geholt, weil man merkte das es ohne diesen Staat im Nahen Osten definitiv keine Lösung geben werde. Gleichzeitig hat der Iran eine Initiative gegen die Kurden im Irak gestartet. Die Türkei und der Iran stehen sich wirtschaftlich nahe und bauen beide eine Freihandelszone im Norden des Iran auf.

Türkei

Lange redete man vom kranken Mann am Bosporus. Mittlerweile hat Erdogan die Fantasie des osmanischen Reiches wieder in den Köpfen der Türken verankert. Die soll wohl die Einheit der Türken stärken. Aber tatsächlich spielen die Türkei eine gefährliche Rolle. Es sah eigentlich ganz gut aus zwischen Türken und Kurden. Die Türkei investierte aus wirtschaftlichen Gründen eine Menge Geld im neuen kurdischen Autonomiegebiet im Norden des Irak. Auf der Karte orange dargestellt.

Doch der Frieden zwischen der PKK und der Türkei wurden beendet. Grund war ein Terroranschlag des IS in Suruc. Darauf warf die PKK der Türkei vor, nicht genug gegen den islamischen Staat getan zu haben. Und kurz danach kündigte die PKK den Frieden auf. Die PKK töte dann 2 Polizisten, bekannte sich dazu und warf ihnen Kooperation mit dem IS vor. Seit diesem Zeitpunkt fliegt die Türkei auch gegen die PKK im Norden des Irak und gegen die PYD in Syrien Luftangriffe. Erst kürzlich kam die Nachricht das die Türkei den russischen und amerikanischen Botschafter einbestellt hatte um klar zu stellen, dass die Türkei keine Unterstützung der Kurden in Syrien und dem Irak wünscht. Erdogan hat Angst davor, dass die Kurden in Syrien ihren Traum vom eigenen Staat wahr machen und von diesem ausgehend weitere Bestrebungen in die Türkei tragen. Auf der oberen Karte sind mit Kurden bewohnte Gebiete gestrichelt dargestellt. Bereits in der 2. Oktoberwoche 2015 hat die USA eine Unterstützung der Kurden eingestellt. Gleichzeitig wurde aber auch Kritik an dem Handeln der Türkei deutlich.

Für Erdogan ist die aktuelle Situation nicht gerade wünschenswert. Am 1. November diesen Jahres stehen die nächsten vorgezogenen Wahlen im Land an. Zu allem Überdruss besucht genau 2 Wochen vorher unsere Bundeskanzlerin den Präsidenten der Türkei. Und das wird Erdogan Medial ausschlachten und für seinen Wahlkampf mißbrauchen. Auch wenn es dabei mit Sicherheit um ganz andere Themen gehen wird, als die Wahl 2 Wochen später. Erdogan strebt immer noch die absolute Mehrheit im eigenen Land an, damit er die Verfassung auf sich zuschneidern kann. Bereits vor vielen Jahren hatte er es geschafft die Presse fast komplett gleich zu schalten, um damit dann Jahre später sogar den Gerichten mit Unterstellungen eine herbe Niederlage zu bescheren.

Aber die grundlegende Frage ist, was wird Erdogan tatsächlich machen? Wird er Assad stärken oder wird die Türkei einen Konflikt mit Rußland riskieren?

Syrien

In Syrien stehen sich mehrere Parteien gegenüber. Das wären der Islamische Staat, die PYD, die Islamische Front, als gemäßigte Rebellen (Freie syrische Armee) bezeichnete Gegners Assads und Assad mit Rußland an seiner Seite. Und hier findet wohl aktuell das größte Blutvergiesen statt. So greift die Türkei die PYD und den IS an. Gleichzeitig kämpfen die PYD gegen den IS, der IS gegen die Islamische Front einem Ableger von Al-Qaida, sowie der Freien syrischen Armee. Die freie syrische Armee gegen den IS und gegen Assad. Zusätzlich greift Rußland die Islamische Front, die Freie syrische Armee, PYD und den IS an. Auch die USA haben hin und wieder den IS bombadiert. Es scheint fast so als würde hier jeder gegen jeden kämpfen. Nicht das dies schon kompliziert genug wäre. Die Islamische Front ist ein zusammenschluss von mehreren Oppositionsgruppen und sie wird aus Saudi-Arabien finanziert. Ihr gehört auch die Al-Nusra-Front an, die ein Ableger von Al-Qaida ist.

Die PYD wird von der Türkei als syrischer Ableger der PKK gesehen. Deswegen haben sie diesen Kurden den Kampf angesagt. Der Westen hatte diese Kurden als Verbündete im Kampf gegen den IS mit Waffen ausgestattet. Die PYD gewann dabei mit Verbündeten die Kontrolle um die Stadt Kobane zurück. Nach dem Eingreifen der Türkei gegen die PYD und der zurück haltenden Unterstützung des Westens haben wir bereits den nächsten Feind selbst gezüchtet.

Schönsprech in den Medien

Wenn man sich hier ein wenig einliest, dann erkennt man die Gefahr, die aus dieser Region kommt. Und das die Bezeichnung Oppositionsarmee ein schöner Begriff ist, um die Menschen zu beruhigen. Tatsächlich ist das da unten ein Pulverfass. Und die so genannten Oppositionsarmeen sind meistens nichts anderes als Terroristen, wenn sie einzeln schreckliche Taten durchführen. Und da ist auch die PYD kein weißes Schaf, sondern strebt ebenfalls nach einer Alleinherrschaft über ein Gebiet. Und dabei gehen sie genauso vor, wie die Türkei oder der Iran oder Saudi-Arabien und und und gegen eine Opposition vorgeht. Sie schalten diese mit Gewalt aus. Und wenn man sieht, dass die PYD wahrscheinlich mit der freien syrischen Armee Kobane gehalten haben, da kann ich mir gut vorstellen was mit den Waffen passiert, die der Westen in diese Region einbringt um den IS am Fortschreiten, des eigenen auferlegten Ziels eines Islamischen Staaten, zu hindern. Der Westen macht den Bock zum Gärtner und diese Region wird sich nach dem Scheitern des IS in einem neuen Bürgerkrieg wieder finden. Das Endet erst, wenn der nächste Tyrann die Macht für sich entschieden hat. Und je nachdem wie er mit dem Westen spricht wird er als Freund oder Feind bezeichnet.

Der Islamische Staat

Die wohl heftigste Organisation im Nahen Osten. Der Islamische Staat sah sich Anfangs Al-Qaida zugeordnet, trennte sich aber später von ihm. Der IS ist aufgebaut wie ein Staat und kann sich mittlerweile finanziell alleine über Wasser halten.

Was ich am IS aber extrem makaber finde, ist die Bezeichnung ihres Anführers Abu Bakr Al-Bagdhadi. Nicht das er sich als Kalif sieht, nein er heißt auch so wie der erste Kalif der dem Propheten Mohamed nachfolgte. Der IS sieht sich auch in der direkten Nachfolge des Propheten Mohamed. Da gab es auch noch keine echte Spaltung der Glaubensrichtungen im Islam. Aber das kurz am Rande.

Der IS startete nach dem Abzug der US-Armee seine Aktivitäten und wurde anfangs mit Sicherheit von Saudi-Arabien und Katar dabei finanziell unterstützt. Damals nannten sie sich auch noch ISI (Islamischer Staat im Irak). Wobei sich sicherlich Saudi-Arabien dachte, dass man die Aktivitäten von ISI auch locker wieder abschalten kann. ISI konnte aber im Irak keine großen Gebiete gewinnen. Ab 2011 änderte sich die Situation. ISI startete seine Aktionen auch in Syrien, war aber zu dieser Zeit noch eher ein Startup Unternehmen, als ein Staat. Der Auftrag in Syrien war einfach. Kontrolle über die oppositionellen Streitkräfte. Dazu gründete die ISI gemeinsam mit Al-Qaida die Al-Nusra-Front in Syrien. Zu dieser Zeit gingen Al-Qaida und ISI noch einen gemeinsamen Weg. Die Al-Nusra und ISI fingen in Syrien an wichtige Positionen zu besetzen, dabei flossen z.B. auch Gelder. Weigerte sich jemand bei der Zusammenarbeit wurde er einfach hingerichtet. Und innerhalb eines Jahres schaffte es die ISI, zu einem großen Spieler in Syrien zu werden. Mit Sicherheit schaffte sie es, weil Abu Bakr genügend ehemalige Offiziere aus Zeiten des Saddam Regimes zur Seite standen.

Es fiel also die Grenze vom Irak zum Iran. Die Gruppe benannte sich in ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) um. Später brach der Al-Qaida Chef Zawahiri mit ISIS. Seit dieser Zeit sind ISIS und Al-Qaida getrennte Partner, deren Ideologie zwar fast übereinstimmen, aber deren Ansichten sich anscheinend komplett unterscheiden. Bisher hat sich trotzdem ISIS durchgesetzt und kontrolliert weite Gebiete im Irak und Syrien. Darunter auch viele Ölförderanlagen, die ISIS mit reichlich Geld ausgestattet haben.

Im Juni 2014 benannte sich ISIS in IS um. Ab jetzt bezeichnete sich diese Organisation als Islamischer Staat. Und hier wachte dann Saudi-Arabien auf. Denn der IS betrachtet alle Grenzen als hinfällig und möchte die Regierung des Islam unter keiner Fremdherrschaft sehen. Dies war aber auch gleichzeitig ein Angriff auf Saudi-Arabien, die ja Bündnispartner der USA sind.

Trotzdem ist der IS eine Ausnahme. Denn seine Motivation ist rein politisch motiviert. Aber sein Handeln wird unter dem Deckmantel der Religion nach außen getragen. Der IS verfügt über ausreichende Medienkompetenz, weswegen sich Dschihadisten aus aller Welt dazu verleiten ließen, sich dem Kampf anzuschließen. Obwohl sie unter dem Strich nur Kanonenfutter sind.

Und gerade beim IS treten bei mir gerne Fragen auf, die keiner beantworten kann. Wieso hat der IS Kontrolle über ca. 24 Banken? Wieso können diese Banken internationale Geschäfte machen? Wie kann man die Finanzierung des IS durch Öl verhindern?

Fazit

Es ist ein religiöser Kampf und ein politischer. Also politisch Araber gegen Perser oder Saudi-Arabien gegen den Iran und IS gegen Iran, Saudi-Arabien, Syrien und Irak. Sowie ein religiöser, der Sunniten vertreten durch den IS, Saudi-Arabien gegen Shiiten vertreten durch Syrien, Iran und dem Irak. Und zu allem Überdruss kommt noch der Kampf Türkei gegen die Kurden und den IS hinzu.

Wenn man sich das so anschaut, dann ist das kein mal ebenso erledigter Konflikt. Am Ende geht es hier um so viele Parteien, dass einem schwindlig wird. Man kann den Krieg gerne reduzieren auf USA vs Rußland oder Iran vs Saudi-Arabien oder Islamisten gegen Dschihadisten oder Sunniten gegen Shiiten. Am Ende wird man aber niemals den richtigen Ton treffen. Denn die Welt ist komplexer als man manchmal annimmt.

soweit...