Angesichts des Brexits und der heißen Diskussionen auf den Websiten verschiedener Blätter, ist es sinnvoll die richtigen Fragen zu stellen. Immer wieder trifft man da auf Meinungen in denen man die Worte "Lügenpresse", "unsachliche Artikel", "Stimmungsmache", "Meinungsbildung", "Europopulisten" oder "Kampagnenjournalismus" zu lesen findet.

Im allgemeinen irgnoriere ich diese Worte und denke mir nur: "Ach herje ist da aber einer einseitig." Irgendwie ist es gerade etwas schwer für die Menschen ihr Hirn anzuwerfen. Frei nach dem Motto: "Lieber Gott lass Hirn vom Himmel fallen. *Platsch* daneben!"

Auch findet man dann Kommentare, die den Medien unsachliche Meinungsmache vorwerfen, weil z.B. ein Artikel nicht schon vor dem Referendum abgedruckt wurde. Viele Kommentatoren scheinen wie kleine Trolle durch die Onlinemedien zu geistern, nur um überall ihre geistigen Ergüsse zu verbreiten und zu meinen, dass ihre Erkenntnis die einzig wahre Quelle der Weisheit darstellt. Gibt es denn die eine Wahrheit? Fragen sich diese Trolle nicht, wie diese Artikel zu stande kommen? Oft sind diese nur eine Reaktion auf andere Artikel oder Blogs, die eben jetzt gewisse Fragen stellen, die vorher entweder gar nicht oder im tosendem Sturm der Brexitbefürworter und Gegner untergegangen sind. Ist das so verwunderlich, wenn dieser Kampf mit mehr Emotionen, als mit Verstand geführt wurde?

Richtig gut finde ich die Aussagen zu den Pflichtzahlungen eines jeden Mitgliedlandes. Da werden Worte in den Mund genommen und mit hahnebüchenden Zahlen herum geworfen, wo ich mich echt frage: "Woher nehmt ihr die bitte?". Es gibt keine Quellen nur bla, bla, bla. Ich meine das Vereinigte Königreich zahlte 2014 nur knapp 5 Milliarden Euro in die EU ein. Ich habe sogar die Zahlen einmal organisiert und zeige sie hier auf.

Zuerst die Tabelle mit den Zahlen. Diese wurden dem Bundeszentrum für politische Bildung entnommen. Wer jetzt gleich losschreit: "Pah Lügenverein etc", der sollte sich einmal den aktuellen Streit über die Lektüre "Ökonomie und Gesellschaft" informieren. Welche sich eindeutig gegen die aktuelle neoliberale Haltung in der Wirtschaft stellt. Dieser Streit wird kurz im Wikipedia-Artikel zum Bundeszentrum erörtert (Kontroversen).

 

Die Deutung der Zahlen, darf man jetzt natürlich nicht überbewerten und auch keine absonderlichen Schlüsse daraus ziehen. Doch die Zahlen zeigen, ja Deutschland ist der größte Nettozahler in Europa. Deutschland zahlt 15 Milliarden Euro in den Topf der EU ohne direkte Gegenleistung. Aber ganz richtig ist das natürlich nicht. Denn das ist die reine Buchhalterische Rechnung. Wie stark Deutschland vom europäischen Wirtschaftsverbund tatsächlich profitiert, lässt sich durch nüchterne Betrachtung solcher Zahlen nicht erkennen. Die Niederlande ist dagegen der größte Nettoeinzahler in Europa, wenn es um die pro Kopf Einzahlung geht, also der Einzahlung pro Einwohner. Insgesamt ist es also für die Mitgliedsstaaten doch recht übersichtlich, wenn es um die Zahlungen geht. Doch die Zahlungen sind ja auch keine Einbahnstrasse. So hat z.B. Polen 2014 mehr als 13 Mrd. Euro aus dem Topf der EU erhalten. Doch das Geld nimmt die polnische Regierung nicht und lässt es irgendwo liegen. Sie finanziert damit Projekte und unterstützt die Wirtschaft. Dies führte in den letzten Jahren dazu, dass Polen ein wichtiger europäischer Handlungspartner wurde. Und soll zielführend dazu führen, dass Polen den Nettozahlern immer näher rückt. Und der EU Haushalt wird sehr transparent im Internet veröffentlicht. Dieses Jahr (2016) beträgt er gerade einmal 143 Mrd. €. Das ist bei einer EU weiten Steuereinnahme von fast 4 Billionen Euro geradezu lächerlich.

Ähnliches, wie für Deutschland, gilt auch für das Vereinigte Königreich. Auch dieses ist ein Nettozahler, mit aber gerade einmal 5 Milliarden €uro. Das sind 0,23% vom Bruttoinlandsprodukt der Insel. Oder wenn man die Steuereinnahmen nimmt (600 Mrd. €uro). Dann sind das ganze 0,83% der Steuereinnahmen. Hui, da wird aber in Zukunft ein riesiger zusätzlicher Wohlstand durch die Insel wehen.

Nimmt man sich dagegen die Gewinn und Verlustrechnung der EU Staaten vor, dann wird es auf der Insel ganz schön schnell dunkel. Also welchen Vorteil sollte ein Staat haben, sich aus der EU zu verabschieden, wenn er am Ende mehr Nachteile als Vorteille hat? Ich meine für Großbritanien ist die EU nichts weiter als eine Freihandelszone. Sie nehmen nicht mal am Währungsverbund teil und haben so den Vorteil mit ihrer Währungen zu machen, was sie wollen. Zusätzlich machen sie einfach ihre Grenzen dicht, wie ihnen beliebt. Wieso meinen die Briten ohne die EU könnten sie die Globalisierung besser überstehen? Das bringt einem Arbeiter, dessen Job nach China oder Indien verlagert wurde, auch nichts. Da ist es egal ob EU oder nicht EU. Jetzt bricht aber auch noch die Freihandelszone weg und das bedeutet für die eh schon wirtschaftlich gebeutelten Briten, nur noch weniger Steuereinnahmen. Beim Defizit der Einnahmen und Ausgaben des Staates belegen die Briten den letzten Platz in der EU, und das ändert sich auch nicht, wenn sie jetzt 5 Mrd. weniger in den EU Haushalt zahlen.

Schulden der EU Länder in % des BIP

Und auch bei der Staatsverschuldung könnte dann ganz schnell ein anderer Wind wehen. Sollte es die Finanzindustrie tatsächlich in Erwägung ziehen die Insel zu verlassen, dann haben wir bald ein 2. Griechenland. Nur hätte dies den Charm, dass man ja einfach die Insel verkaufen könnte. So wie es die Bild immer von Griechenland gefordert hat. Eine riesige Insel für läppische 2,2 Billionen €uro.

So hat die EU mehr Vorteile als Nachteile und das ständige gegen die EU gejammere bringt doch am Ende auch nichts. Vor allem dann nicht, wenn man sie sich von außen anschauen muss. Von innen her, kann man als größeres Mitgliedsland schon etwas bewegen. Aber so wie die Briten dass die letzten Jahre abgezogen haben, mit stampfenden Füßen *ich will, ich will, ich will*. Sonst trete ich aus! zzZzZZzzZ

so weit...

Quellen: