Achtung dieser Artikel ist meine Meinung. Durch lesen mehrerer Quellen wie taz.de, zeit.de oder schauen der Dokumentationsreihe mit Offenen Karten, etc. bin ich dann darauf gekommen.

Türkei - Rußland, Naher Osten, Kurden

Um die Türkei scheint es sehr schlecht zu stehen. Die Türkei zeigte sich in der Vergangenheit extrem schwer damit, andere Länder einfach nicht zu vergrätzen. So hatte die Türkei einen russischen Kampfjet abgeschossen, weil dieser angeblich zum wiederholten Male die türkische Grenze verletzte. Darauf hin gab es Sanktionen auf türkische Lebensmittel, bis hin zur Sanktionierung russischer Unternehmen in türkischer Hand.

Weiterhin fiel die Türkei (2014) dabei auf, wie sie den IS und andere dschihadistische Bewegungen unterstützte und wie der türkische Geheimdienst versuchte, diese Bewegungen gegen die Kurden zu instrumentalisieren. Diese Art der Beeinflussungen von Gruppierungen, kennen wir sonst nur direkt von den USA (Afghanistan). Das dieser Schachzug, Jahrzente später, ein direkter Bumerrang für die USA und deren Verbündete wurde, kennen wir heute als den 11. September 2001. Dem Tag an dem der "Krieg gegen den Terror" begann und der laut Peter Scholl-Latour noch sehr, sehr lange dauern wird. Und wo die westlichen Regierungen auch gar kein direktes Interesse hätten, dass dieser Kampf so schnell endet.

Bleiben wir bei der Türkei. Als die Türkei den russischen Kampfjet abgeschossen hatte, da standen die Fronten in etwa so...

  • Die Türkei war gegen Assad, mit dem Westen auf einer Spur, aber wohl doch für die Dschihadisten, die er für den Kampf gegen die Kurden zu instrumentalisieren versuchte, dieses nach außen aber stets leugnete
  • Rußland war für Assad und gegen die Dschihadisten, gegen die Strategie des Westens und tolerierte die Kurden

Die Türkei unterstützte den Westen auch nicht wirklich. Wer den Artikel, unter der Jahreszahl 2014 und hier nochmal verlinkt, gelesen hat, kann die folgenden Zitate aus der taz gerne überlesen.

...vor allem aber, weil er (Erdogan, Anmerkung von mir) eine indirekte Hilfe für Assad fürchtet, will er den USA keine militärische Unterstützung gegen den IS zukommen lassen.

und

 

Erdogan unterstützte die Muslimbrüder

Während des Arabischen Frühlings unterstützte Erdogans Regierung die in Tunesien, Libyen, Ägypten und Syrien aktiven Muslimbrüder, mit deren Hilfe Erdogan der Türkei wieder die dominante Rolle im Nahen Osten verschaffen wollte, die das Osmanische Reich einmal hatte. Die Strategie scheiterte. In Ägypten putschte das Militär die Muslimbrüder von der Macht, in Tunesien mussten sie daraufhin zurückstecken, und in Syrien scheiterten sie bei dem Versuch, Assad mit Waffengewalt zu verjagen.

Jahrelang tat der Westen wenig, um die Opposition gegen Assad zu unterstützen. Erdogan ließ deshalb den Transfer von Geld, Kämpfern und Waffen auch dann noch über die türkische Grenzen rollen, als in Syrien längst Gruppen wie die mit al-Qaida verbundene Al-Nusra-Front oder der Islamische Staat die Opposition dominierten. Außerdem glaubte der türkische Geheimdienst, IS-Kämpfer in Syrien gegen die dortigen, von der PKK unterstützten Kurden instrumentalisieren zu können.

Solche Aussagen kann man dann noch auf Telepolis, Tagesschau, oder Deutsche Welle nachlesen.

Also ganz kurz in einem Satz zusammen gefasst, kann man sagen. Die Türkei versuchte eine dominante Rolle im Nahen Osten einzunehmen, indem sie die Kurdenfrage durch die Dschihadisten zu lösen gedachte und alles andere blockierte, was diesem Ziel irgendwie im Weg stand.

Der Nachteil daran, ist auch gleich erkannt. Die Türkei stellte sich mit dem Merkmal "Kurden" so ziemlich einsam auf und isolierte sich so, von allen anderen. Warum die Türkei so enorm gegen die Kurden vorgeht? Dies liegt daran, dass diese eine Autonomie anstreben und diese auch im Norden des Irak quasi innehaben. Erdogan befürchtet ein Übergreifen, dieser Bestrebungen auf die Türkei.

Die Türkei und die Europäische Union

Zwischen beiden, gibt es ja hin und wieder Gespräche. Entweder über Beitritt oder Visaerleicherungen etc. Immer wieder gibt es aber Diskussionen um die Achtung der Menschenrechte in der Türkei. Erdogan hat seine eigenen Vorstellungen, von Größe, und so liegen aktuell die Gespräche eher auf Eis. Vor allem in Deutschland, stößt der Kurs Erdogans immer wieder auf Kritik, da dieser wiederholt demokratische Strukturen im Land abgeschafft und durch absolute Strukturen ersetzt hat. Mittlerweile hat seine Partei die absolute Mehrheit im Land und kann schalten und walten wie er möchte. Immer wieder wurden Journalisten verhaftet, ganze Medienbereiche hinweg gerafft und die Freiheit im Internet stark beschnitten. Auch wurden ständig ausländische kritische Stimmen verhaftet. Da Erdogan immer recht ungeschickt aufgetreten ist, haben ihn unter anderem Jan Böhmermann mit dem Schmähgedicht geehrt. Weitere diplomatische Unstimmigkeiten verursachte aber auch die Anerkennung der Ermordung der Armenier im ersten Weltkrieg, als Völkermord, durch den deutschen Bundetag. Ein Zitat aus der Wikipedia:

Am 2. Juni 2016 beschloss der Deutsche Bundestag mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung auf Antrag der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und Grünen die Resolution „Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916“. Bundeskanzlerin Merkel, Vizekanzler Gabriel und Außenminister Steinmeier hatten nicht an der Debatte teilgenommen.[227] Im Teil II des Beschlusses fordert der Deutsche Bundestag die Bundesregierung u. a. dazu auf, „sich gegenüber der türkischen und der armenischen Regierung für die Ratifizierung der 2009 unterzeichneten Zürcher Protokolle einzusetzen“, und im Teil I des Beschlusses des Bundestages heißt es:[228]

„Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor den Opfern der Vertreibungen und Massaker an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten des Osmanischen Reichs, die vor über hundert Jahren ihren Anfang nahmen. Er beklagt die Taten der damaligen jungtürkischen Regierung, die zur fast vollständigen Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich geführt haben. Ebenso waren Angehörige anderer christlicher Volksgruppen, insbesondere aramäisch/assyrische und chaldäische Christen von Deportationen und Massakern betroffen. Im Auftrag des damaligen jungtürkischen Regimes begann am 24. April 1915 im osmanischen Konstantinopel die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über einer Million ethnischer Armenier. ... Der Bundestag bedauert die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reichs trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten deutscher Diplomaten und Missionare über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Armenier nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.“

Deutscher Bundestag, Drucksache 18/8613

Die Türkei hatte die geplante Bundestagsentschließung kritisiert.[229] Ministerpräsident Yıldırım hatte gegenüber Bundeskanzlerin Merkel gesagt, die Entschließung enthalte ungerechte und grundlose Anschuldigungen.[230] Nach der Annahme der Resolution rief die Türkei ihren Botschafter Hüseyin Avni Karslıoğlu aus Berlin zurück.[231] Präsident Erdoğan drohte, die Resolution werde „ernste“ Folgen für die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben. Yıldırım sprach von einer „rassistischen armenischen Lobby“, die für die Entscheidung des Bundestages verantwortlich sei.[232] Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu warf Deutschland vor, dunkle Kapitel der eigenen Geschichte überdecken zu wollen, indem „die Geschichte anderer Länder angeschwärzt wird“, und kritisierte die Resolution als „unverantwortlich und haltlos“. Justizminister Bekir Bozdağ äußerte, die in der Resolution enthaltenen Genozid-Vorwürfe seien eine „Verleumdung“ des Volkes, des Staates, der Geschichte und der Vorfahren der Türken und sagte mit Bezug auf den Holocaust: „Erst verbrennst Du die Juden im Ofen, dann stehst Du auf und klagst das türkische Volk mit Genozidverleumdungen an“. Er forderte von Deutschland: „Kümmere Dich um Deine eigene Geschichte.“[233] Die türkischstämmigen Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die für die Resolution stimmten, seien „Leute mit schlechtem Blut und schlechter Muttermilch [und] können die Türkei nicht vertreten“.[234] Yıldırım sagte, „ungeachtet der Umstände werden wir unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten fortsetzen“. Deutschland sei ein wichtiger Verbündeter.[235] In der Folge kam es zu Mordaufrufen gegen elf türkischstämmige Bundestagsabgeordnete und Erdoğan forderte die Untersuchung deren Blutes.[236][237] Bundeskanzlerin Merkel wies daraufhin Erdogan Äußerungen zurück.[238] EU-Parlamentspräsident Martin Schulz kritisierte Erdoğan scharf.[239] Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte bei der Eröffnung einer Sitzung des Plenums: „Dass ein demokratisch gewählter Staatspräsident im 21. Jahrhundert seine Kritik an demokratisch gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit Zweifeln an deren türkischer Abstammung verbindet, ihr Blut als verdorben bezeichnet, hätte ich nicht für möglich gehalten. Und die Verdächtigung von Mitgliedern dieses Parlamentes als Sprachrohr von Terroristen weise ich in aller Form zurück.“[240]

Siehe auch: Erdogans Blutrede
Mit der extrem undiplomatischen Reaktion Erdogans, hat dieser sich weiter politisch vom Rest der Welt getrennt. Aber auch die Kanzlerin Merkel musste harsche Kritik einstecken, als sie einen Deal, wegen der enormen Anzahl an Flüchtlingen, in der Türkei vereinbarte.
 

Die Türkei alleine

So stand diese nun da. Allein... Der IS dankte die Unterstützung anscheinend nicht. Denn er begann recht zügig damit auch Terroranschläge in der Türkei zu verüben. Nun darf man natürlich auch die westlichen Medien an den Eiern packen und meinen... "Naja, vielleicht war Erdogan auch gar nicht für den IS?" Dazu möchte ich aber gerne einen Artikel von mir zu Kenntnis geben, der zeigt was sich da für ein Durcheinander, bei den einzelnen Parteien, gegen Assad versammelt hat.
 
Wir müssen begreifen, dass Erdogan so ziemlich alleine mit der Kurdenfrage steht. Und nur eine Gruppe könnte ihn dabei unterstützen. Und das sind die Kräfte, die ebenfalls gegen die Kurden kämpfen. Da hätten wir allen voran den IS.
 
Nun ist es dem IS aber anscheinend egal, was die Türkei möchte. Der IS liegt ja auch deswegen mit al-Quaida im Streit, weil al-Quaida meinte der IS solle sich bitte aus Syrien heraus halten. Und der IS meinte dazu nur. Nein, dass würde ja den Grenzverlauf vom Sykes-Picot Abkommen entsprechen. Dazu auch ein Artikel aus dem Deutschlandfunk und der Faz. Sie wollen einen islamischen Staat, so wie es eben im ersten Weltkrieg versprochen wurde. Deswegen haben sie im ersten Weltkrieg gegen das mit Deutschland verbündete Osmanische Reich gekämpft und wurden anschließend betrogen. Den Israelis wurde es auch versprochen und ihnen wurde es gewährt. Also kämpfen sie gegen den verräterischen Westen und die zionistischen Juden.
 
Kurze Anmerkung von mir: Anscheinend wiederholt sich die Geschichte immer wieder. Nach der Wiedervereinigung!, also nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990, versprach die USA und andere Staaten, "dass die Nato sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen würde".
Daran hätten sich die Amerikaner nicht gehalten, und den Deutschen sei es gleichgültig gewesen. Dies habe dazu geführt, so Gorbatschow, „dass die Russen westlichen Versprechungen nun nicht mehr trauen“.
So ein entnommenes Zitat dazu aus der Faz.
 
Zurück zur Türkei. Nun hat Erdogan mit seinem Traum vom Osmanischen Reich, leider in Geschichte nicht richtig aufgepasst und dabei versäumt, dass es dem IS nicht darum geht ein Gehilfe der Osmanen zu sein. Nein, der IS kämpft nun für seinen eigenen Staat. So wie es ihm versprochen wurde. Der IS genießt dabei anscheinend großen Zuspruch im sunnitischen Raum. Dazu gehört auch die Türkei, die zwar offiziell laizistisch ist, aber den sunnitischen Glauben als eine Art Klebstoff zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen zu erkennen scheint. Somit dürfte der sunnitische Glauben die Hauptreligion in der Türkei sein. Und der IS ist ebenfalls sunnitisch, wie auch Saudi Arabien oder Katar.
 
Das ist nicht gerade ein Zubrot, den sich die Türkei die letzten Jahre erarbeitet hat. Mit Rußland, Europa und den Arabern im Streit. Also mit jedem, der um sie herum etwas zu sagen hat. Nur der Iran passt jetzt nicht wirklich in diese Situation. Also wenn ich behaupte die Türkei ist mehrheitlich sunnitisch, dann passt da etwas nicht. Denn der Iran ist mehrheitlich schiitisch. Und aktuell wird der Konflikt im Irak und in Syrien gerne als Stellvertreterkrieg zwischen diesen beiden religösen Lagern dargestellt. Nun grenzt der Iran aber direkt an der Türkei. Zwar leben im Osten der Türkei mehrheitlich Kurden, diese sind aber auch mehrheitlich sunnitisch, aber vertreten sonst jede andere Religion (außer asiatische) auch.
 
Ok, ich habe dann doch noch einen Artikel, auf Telepolis, gefunden. Aber dieser erklärt noch nicht insgesamt, wie sich die Türkei in Zukunft zeigen wird. Doch die letzte Aktion in Richtung Rußland könnte dazu führen, dass man die aktuellen internen Probleme mit der PKK oder und den Kurden neu betrachtet. Daraus könnte sich ein neues Dreieck zwischen Rußland, Iran und der Türkei aufbauen.
 
Zumindest wäre dann die Türkei nicht mehr komplett auf sich alleine gestellt. Zudem wäre ein solches Bündniss ein richtiges Bollwerk in Richtung Süden. Ob hier aber der leicht reizbare Erdogan nicht wieder diplomatischen Sprengstoff liefert, das bleibt durchaus offen.
 
so weit...